Herbstnah


Abschiedsblüte

Abschiedsblüte

Der Wald beginnt nach Sterbenszeit zu duften
Die Blüten nicken Abschied vom Balkon
Im Fernsehn hören wir von großen Schuften
Den kleinen Gangstern geben wir Pardon.

Wir selbst begehen ja nur kleine Morde
Wir spucken ab und zu in ein Gesicht
Wir fühlen uns bestätigt von der Horde
Alleingelassen fühlen wir uns nicht.

Alleingelassen sind wir ganz alleine
Wie nachts ein Kind, des Mutter ging davon
Und nahm die Hand von ihm, die warme, feine
Und sichere Hand und den vertrauten Ton.

Wie welke Blätter sinken unsere Herzen.
Wir fliehn in Lärm und Licht und Witz und Braus.
In kalte Fesseln legt der Herbst das Haus
Und unsere Blicke flackern mit den Kerzen.
Wir sind in Not. Die Fenster werden trübe.
Der Arzt sagt: das sind depressive Schübe.

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2 Antworten zu “Herbstnah

  1. Schön die romantische Ironie des letzten Verses! Irgendetwas sagt mir allerdings, dass die in vielen deiner Gedichte feststellbare Fokussierung auf die „Letztphase-Thematik“ dem ganzen Immo Sennewald nicht gerecht wird.

  2. Danke vor allem für den freundschaftlichen Zuspruch. Dass meine Tage gezählt sind, steht fest, sie nicht zu vergeuden mit Unersprießlichem, Erzwungenem ist meine Hoffnung. Das kann natürlich nicht glatt gehen,wenn einer so mit Widersprüchen gesegnet ist … Dir gesegnete Herbsttage mit voller Ernte (wieder ’ne Gelegenheit die Kästnerschen Verse zu loben „Das ist ein Abschied mit Standarten …“), ein Prosit aus der Ferne, weil „Bauernball“ und „Oktoberfeste“ oder auch ganz andere locken!

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